Alles, was du wissen musst, bevor du einen Neoprenanzug kaufst
Neoprenanzug Passform und Körper
Es ist wichtig, dass dein Anzug gut sitzt, und je mehr Stunden du auf dem Wasser verbringst und Erfahrung sammelst, desto mehr entwickelst du auch eine persönliche Vorliebe dafür, was für dich ein guter Anzug ist. Es gibt jedoch einige allgemeine Dinge, auf die du achten kannst, wenn du deinen perfekten Neoprenanzug suchst. Der Anzug sollte eng anliegen; das sorgt dafür, dass der Wasseraustausch im Anzug so gering wie möglich bleibt, sodass dein Körper nicht zu viel Wärme abgeben und Energie darauf verwenden muss – immer wieder – neues Wasser zu erwärmen. Bei einem eng anliegenden Anzug wird die Wassermenge im Anzug reduziert und der Austausch ist geringer. Dein Körper muss also weniger Energie aufwenden, um das Wasser im Anzug zu erwärmen. Der Anzug darf jedoch nicht so eng sitzen, dass er deine Bewegungsfreiheit einschränkt. Ideal ist ein eng anliegender, aber flexibler Anzug, der den Bewegungen des Sportlers folgt und den Wärmeverlust minimiert. Um die Bewegungsfreiheit in einem eng anliegenden Anzug zu gewährleisten, ist das Material des Anzugs sehr wichtig. Das Material sollte möglichst flexibel sein und pro Quadratzentimeter möglichst viel Stretch bieten. Neben dem Material sind auch die Nähte und der Reißverschluss wichtig für die Flexibilität des Anzugs (mehr zu Materialien, Nähten und Reißverschlüssen findest du auf Seite 10). Es ist wichtig, deinen zukünftigen Anzug anzuprobieren, damit du sicher bist, dass er genau zu deinem Körper passt. Die verschiedenen Marken haben unterschiedliche Passformen. Wenn du deine Passform kennst, kannst du gezielt Marken wählen, die deine Körperform berücksichtigen, wenn du in die Umkleide gehst. „Eine große, schlanke und eher „gerade“ Figur passt oft besser in einen Ripcurl- oder Billabong-Anzug, während Sportler, die mehr Platz für Schultern, Oberschenkel und Po brauchen, feststellen werden, dass ein C-skin- oder O’Neill-Anzug besser sitzt. Außerdem hat jede Marke verschiedene Modelle, sodass man für jeden Körpertyp einen gut sitzenden Anzug finden kann“, erklärt Jens Møller, der Surfer bei WestWind mit dem passenden Anzug zusammenbringt. Gerade weil die Marken unterschiedliche Passformen bieten, lohnt es sich, im Laden nachzufragen, welche Marke dir empfohlen wird, wenn du in die Umkleide gehst.
Windsurf, kitesurf, surf, SUP oder andere Wassersportarten?
Wenn du einen neuen Anzug auswählst, solltest du auch überlegen, für welche Disziplin er verwendet werden soll. Ein Surfer, der auf Wellen an der Wasseroberfläche wartet, hat andere Bedürfnisse als ein kitesurf-, wind- oder wing-Surfer, der kürzer im Wasser ist, aber dafür einer hohen Windchill-Rate ausgesetzt ist. Als Surfer brauchst du möglichst viel Flexibilität und einen eng anliegenden Anzug. Du willst nicht zu viel Luft im Anzug oder zu viel Wasserwechsel. Als Windsurfer hingegen kannst du mehr Platz im Anzug um Ober- und Unterarme brauchen, damit du nicht in den Unterarmen ermüdest und deine Hände anfangen zu kribbeln. Hier kann ein enger Anzug beeinflussen, wie schnell du in den Unterarmen ermüdest. Gleichzeitig möchtest du auch einen Anzug, der dich extra vor dem Windchill schützt. Ein guter Tipp ist daher, die Wurzeln des Herstellers zu kennen. Ripcurl, Billabong, C-skins, Quiksilver/Roxy und O’Neill sind eher „Core-Surf-Marken“, die aus dem Surfen entstanden sind und für das Surfen entwickelt wurden. Marken wie Ion, Mystic und Prolimit sind Marken, die mit Windsport gewachsen sind. Die windsportorientierten Marken erkennt man oft daran, dass sie Zubehör für Windsportaktivitäten herstellen, wie z.B. Neoprenschuhe/-stiefel, Handschuhe, Trapeze usw. Heute sind viele der Anzüge, die du im Laden kaufen kannst, jedoch Mehrzweckanzüge, die für verschiedene Sportarten verwendet werden können, aber der Fokus des Herstellers bei der Entwicklung der Anzüge ist unterschiedlich.
Die Dicke
Wenn du durch WestWind gehst, kannst du Anzüge in allen möglichen Formen, Größen, Materialien, Preisklassen und Stärken sehen. Oft ist die Dicke die große Frage, wenn du einen neuen Anzug brauchst. „Wenn du nur einen Anzug haben willst, würde ich für die dänischen Verhältnisse einen 5.4/5.3er empfehlen. Der hält dich die meiste Zeit des Jahres warm. An den wirklich warmen Tagen kannst du den Oberkörper ausziehen und mit deiner Weste und einem Anzug um die Hüfte windsurfen. Aber wenn du die Möglichkeit hast, zwei Anzüge zu haben, würde ich einen 4.3 und einen 6.5 empfehlen, dann bist du für die verschiedenen Bedingungen in Dänemark gut gerüstet“, sagt Jens Møller. Sommeranzüge haben typischerweise eine Dicke von 3 mm oder weniger. Winteranzüge haben typischerweise 6 mm am Körper und 5 oder 4 mm an Beinen/Armen. Dazwischen liegen die Anzüge, die in Dänemark am häufigsten verwendet werden: Anzüge zwischen 4 und 5 mm. Auf den Anzügen ist die Dicke als 5.4 oder 5/4 angegeben, typischerweise am Ärmel. Die Aufteilung markiert den Unterschied in der Dicke zwischen Körper, wo weniger Flexibilität und mehr Wärme benötigt wird, und Beinen/Armen, wo das dünnere Neopren dir mehr Flexibilität gibt. Unten haben wir eine grobe Übersicht erstellt, welche Dicke des Neoprenanzugs zu den verschiedenen Wassertemperaturen passt. Sie basiert auf den persönlichen Erfahrungen des WestWind-Teams und sollte nicht als endgültige Antwort gesehen werden.
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Wassertemperatur |
Neoprenstärke |
Neoprenanzug Typ |
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22-25°C |
2/2mm |
Shorty |
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20-22°C |
3/2mm |
Shorty oder Fullsuit Sommer-Neoprenanzug |
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18-20°C |
3/2mm |
Fullsuit Sommer-Neoprenanzug |
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15-19°C |
4/3mm |
Fullsuit Allround-Neoprenanzug |
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13-17°C |
5/4mm |
Fullsuit Allround-Neoprenanzug + dünne Neoprenschuhe |
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Hooded Winter-Neoprenanzug + dünne Neoprenschuhe + dünne Neoprenhandschuhe |
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Hooded Winter-Neoprenanzug + dicke Neoprenschuhe + dicke Neoprenhandschuhe |
Größentabelle

Es ist wichtig, deinen zukünftigen Anzug anzuprobieren, damit du weißt, dass er genau zu deinem Körper passt
Materialien
Neopren ist immer noch das am weitesten verbreitete Material bei der Herstellung von Neoprenanzügen. Neopren gibt es in verschiedenen Qualitäten, was unter anderem die Weichheit und Flexibilität des Materials sowie den Luftanteil im Neopren beeinflusst. „Jede Marke hat ihre Reihe von Anzügen, bei denen die Qualität von Neopren, Nähten usw. nach und nach gesteigert wird. Und der Preis steigt, je mehr Arbeit in die Verarbeitung des Neoprens, das Zuschneiden der Paneele, das Kleben, Nähen und Tapen der Nähte usw. geflossen ist“, erzählt Jens Møller.
„Rund um das Neopren verwenden die Marken verschiedene Schichten – z.B. Nylon, Wolle, Spandex, Bambus und Polyester. Das Futter der Anzüge variiert ebenfalls im Material. Das Verhältnis der Materialien unterscheidet sich von Marke zu Marke und Modell zu Modell.“
Neopren ist ein Material, dessen Herstellung in mehreren Parametern kostenintensiv ist. Deshalb arbeiten mehrere Marken daran, alternative Materialien zu finden. Bei WestWind gab es unter anderem Patagonia-Anzüge im Sortiment, aber eine sehr geringe Kundennachfrage nach diesen alternativen Anzügen hat bisher dazu geführt, dass sie das Produkt verabschieden mussten. Bei WestWind versucht man, die Umweltbelastung von Neopren zu reduzieren, indem Anzüge in Umlauf gebracht werden, u.a. mit „Tausch gegen Neu“ bei Kinderanzügen, die bei WestWind gekauft wurden. Außerdem kannst du selbst einen kleinen Beitrag leisten, um die Lebensdauer des Anzugs zu verlängern, indem du ihn gut pflegst (siehe Abschnitt Seite 12) und so die Umweltbelastung senkst.
Nähte
Obwohl ein Neoprenanzug aus einem Stück ideal wäre, gibt es immer Nähte im Anzug. Man arbeitet mit verschiedenen Arten von Nähten, wobei die gebräuchlichsten Flatlock-Nähte, GBS (Glued & blinded stitches), getapte Nähte und verschweißte Nähte sind. Im Hinblick auf Nähte muss man bedenken, dass Neopren flexibler ist als die Nähte, und deshalb ist es immer vorteilhaft, so wenige Nähte wie möglich zu haben – also möglichst große Neoprenflächen. Je billiger der Anzug, den du kaufst, desto mehr Paneele sind im Anzug, weil du es mit einem steiferen Material zu tun hast. Das führt auch zu mehr Nähten. Man kann jedoch die Flexibilität fördern, indem man den Verlauf der Nähte gestaltet, z.B. eine Naht, die sich krümmt und dem Bewegungsmuster des Arms folgt, ist flexibler und kann sich mehr dehnen als eine gerade Naht.
Flatlock-Naht
Diese Art von Naht wird praktisch nur bei Sommeranzügen verwendet. Bei der Flatlock-Naht werden die Neoprenstücke mit Zickzackstichen zusammengenäht, und es wird durch das Material genäht, so wie man gewöhnlichen Stoff zusammennäht. Oft sind die Nähte auch geklebt, aber das Besondere an Flatlock-Nähten ist, dass die Nähte durch das Material gehen. Das sorgt für eine hohe Atmungsaktivität, und ebenso ist der Wasseraustausch bei Anzügen, die mit dieser Methode zusammengenäht sind, groß. Sie eignen sich daher am besten für den Sommergebrauch und Surfen in wärmeren Gefilden. Die Naht ist stark und angenehm auf der Haut wegen der flachen Konstruktion.
GBS
Glued and Blind Stitching ist die am weitesten verbreitete Methode zur Verbindung von hochwertigen Anzügen. Bei GBS werden die Paneele laser-geschnitten, dann zusammengeklebt, anschließend blind-genäht und eventuell zum Schluss abgeklebt. Das Besondere an Blind Stitches ist, dass die Stiche nicht komplett durch das Neopren gehen, wodurch unnötiger Wasseraustausch durch die Nähte im Anzug vermieden wird. Anzüge mit GBS-Nähten eignen sich daher besonders gut für kältere Temperaturen.
Abgeklebte Nähte
Viele Hersteller kleben ihre Nähte ab. Das Tape kann in Form von Liquid Tape oder einer ultra dünnen Neopren-Schicht sein, die über die Nähte geklebt wird, um dich trocken zu halten, Komfort zu sichern und möglichst vor „Rashes“/Ausschlägen zu schützen. Mehrere Anzüge, die mit der GBS-Technologie gefertigt sind, sind auch innen abgeklebt.
Geschweißte Nähte / Liquid seams
Geschweißte Nähte sind auch extrem effektive Verbindungen. Sie findet man hauptsächlich bei den teuersten Modellen der Marken, bei denen die Verbindung maximale Flexibilität gewährleistet. Bei dieser Art der Verbindung werden die Neoprenstücke mit einem silikonbasierten Material zusammengesetzt und auf beiden Seiten „verklebt“. Anzüge mit dieser Art von Nähten sind wahrscheinlich das, was einem Anzug aus einem Stück am nächsten kommt.
Kind-Neoprenanzüge
Wenn es um Kinderdrachen geht, ist der Rat bei WestWind ganz klar: Kauf einen dicken Anzug, einen 5.4 oder 5.3 mit GBS-Nähten, damit das Kind nicht friert – es macht keinen Spaß, dabei zu sein, wenn man friert. Und weil Kinder schnell aus den Anzügen herauswachsen und man in den WestWind-Läden weiß, wie wichtig es ist, dass Junior gutes Equipment hat, gibt es die Vereinbarung „tauschen gegen neu“. Bei Kind-Neoprenanzügen ist es außerdem besser, wenn der Anzug eng am Körper sitzt, während es weniger wichtig ist, ob Ärmel und Beine etwas zu lang oder zu kurz sind.
Pflege des Neoprenanzugs
An- und Ausziehen
Gute Pflege deines Anzugs beginnt schon, wenn du ihn anziehst. Hier musst du darauf achten, dass deine Nägel nicht mit dem Material des Neoprenanzugs in Berührung kommen, da die Nägel das Neopren durchschneiden und Löcher im Anzug verursachen können. Achte darauf, dass du das Material in der Mitte des Anzugs greifst – nicht nahe an den Nähten. Neopren ist flexibel, während die Nähte sich nicht auf die gleiche Weise dehnen, wenn daran gezogen wird. Deshalb solltest du vermeiden, an den Nähten zu ziehen.
"Die Qualität des Materials beeinflusst, was du von dem Anzug erwarten kannst, und hier verhält es sich tatsächlich genau umgekehrt zu dem, was die Leute oft über Preis vs. Widerstandsfähigkeit denken."
Die günstigeren Anzüge sind tatsächlich widerstandsfähiger gegenüber harter Behandlung. Während die teuren Anzüge, die aus feineren Materialien gefertigt sind, eine schonendere Behandlung erfordern. Deshalb ist es besonders wichtig, dass du weißt, wie du in deinen Anzug schlüpfen musst, wenn du zu den teureren Modellen wechselst, bei denen die Materialien schonender behandelt werden müssen.
Spülen
Spüle deinen Anzug nach dem Gebrauch mit Leitungswasser ab; das gilt besonders, wenn du dich in sehr salzigen Gewässern aufhältst, z.B. an der Nordsee. Sowohl Salz als auch Sonne trocknen den Anzug aus, deshalb ist es gut, den Anzug durchzuspülen und zwischendurch mit Neoprenanzugshampoo zu waschen, um die Weichheit zu erhalten. Du kannst die Neoprenanzugwäsche erledigen, indem du unter der Dusche im Anzug stehst, wenn du aus dem Meer kommst.
Waschen (mit Shampoo)
Neopren ist ein ölbasierter Stoff, der mit der Zeit weniger weich und elastisch wird. Man kann die Weichheit des Materials länger erhalten, indem man ihn in einer Wanne mit Wasser und Neoprenshampoo einweicht. Je nachdem, wie oft und wo du den Anzug benutzt, empfiehlt WestWind, den Anzug etwa einmal im Monat zu waschen. Wenn dein Anzug trocknet, wird er steifer und neigt schließlich zum Reißen. Deshalb ist es eine gute Idee, alles zu tun, um die „Feuchtigkeit“/Weichheit des Materials zu erhalten.
Aufhängen des Anzugs
Wenn du den Anzug zum Trocknen aufhängst, kannst du die Lebensdauer des Anzugs verlängern, indem du ihn richtig aufhängst. Statt den Anzug wie üblich an den Schultern auf einen Bügel zu hängen, dreh den Anzug auf links und häng ihn über die Querstrebe des Bügels, sodass er in der Taille hängt. So wird vermieden, dass das ganze Gewicht des Anzugs an den Schultern hängt und diese ausleiert. Wenn der Anzug innen trocken ist, dreh ihn wieder um und häng ihn wie beschrieben auf. Vermeide es, deinen Anzug in direktem Sonnenlicht aufzuhängen.
Vermeide es, in den Anzug zu pinkeln
…wenn du kannst. Das erspart dir Geruchsprobleme und potenziellen „Windelausschlag“. Andererseits kann ein kleiner Pipi-Unfall im Anzug an kalten Tagen auch etwas zusätzliche Wärme bringen, falls es doch mal passiert, gibt es zumindest Hilfe. Den Geruch kann man mit verschiedenen Produkten wie z.B. Piss off entfernen, aber auch Rodalon für den Innenbereich (nicht für draußen, das ist zu stark für Neopren) ist nützlich, verrät Jens Møller.
Neoprenschuhe
Neoprenschuhe können auch ein „Killer“ sein, wenn es um Geruchsprobleme geht. Der Tipp ist, sie auf links zu drehen, so wie du es bei deinem Neoprenanzug machen würdest, und die Schuhe innen trocknen zu lassen, bevor du sie wieder umdrehst. Neoprenshampoo oder Rodalon für den Innenbereich können eine willkommene Rettung sein, wenn die Schuhe unangenehm riechen.
Pflege des Reißverschlusses
Der Reißverschluss kann durch Salz, Sonne und Sand abgenutzt werden, deshalb ist es wichtig, gut auf ihn aufzupassen. Er kann mit Silikonspray oder Silikonwachs (Stift oder Bürste) geschmiert werden, das sorgt dafür, dass die Zähne des Reißverschlusses „glatt“ bleiben. Wenn du Pech hast und den Reißverschluss kaputt machst, kannst du ihn oft bei WestWind reparieren lassen.
Aufbewahrung
In Zeiten, in denen du deinen Anzug nicht benutzt, sorge dafür, dass du ihn warm und trocken aufbewahrst. Nimm deinen Anzug im Winter am besten mit nach drinnen, damit er keinen Frost abbekommt.
Sauna
Vermeide die Nutzung der Sauna mit deinem Anzug an. Es besteht die Gefahr, dass die hohen Temperaturen die Nähte beschädigen. Das gilt natürlich besonders für geklebte Anzüge, aber generell ist es eine gute Idee, den Anzug auszuziehen, bevor du die warme Sauna betrittst.